19. Juni – Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft

Der Knast,

trifft nicht nur solche, die sich als politische Aktivist_innen verstehen. Oft gibt es funktionierende Solidaritätsstrukturen die betroffene Menschen, besonders aus linken Kreisen, vor einer Inhaftierung bewahren. Dies ist auch gut so, kann aber dazu führen, dass schnell vergessen wird, welche Logik hinter diesen Gebäuden, der Symbiose aus Architektur & Autorität steht. Der Knast ist Teil eines Systems des Disziplinierens mittels Strafe auf dem sich unsere Gesellschaft aufbaut und Ausdruck der Herrschaftsverhältnisse in denen wir leben. Disziplinierung & Selbstdisziplinierung, durch Angst vor Strafe, hält uns in normierten Bahnen der Verwertung fest. Von Fabriken, Schulen, Universitäten bis zu Krankenhäusern, alle produzieren. Die einen Waren, andere Wissen, Gesundheit bzw. Krankheit. Es gibt für Fehlverhalten innerhalb der Produktion ein breite Palette an Sanktionen. Meist sind diese z.B. Mahnungen, Verweise, Streichung von Sozialleistungen, Kündigungen, Rausschmisse. Innerhalb bestimmter sozialer Schichten können diese schnell einen weiteren sozialen Abstieg bedeuten. Sie bringen damit eine Spirale in Gang, die die Kluft zwischen arm & reich, privilegiert & unprivilegiert weiter vergrößert. Ein Rückkopplungseffekt ist der Anstieg sog. Kriminalität. Das System schafft sozusagen selbst Anlässe für den weiteren Ausbau von Sicherheit & Kontrolle. Dies ist eine Art von Machtentfaltungsstrategie, welche weniger von bestimmten Personen, als vielmehr vom System hervorgerufen wird. Die Freude an der freiwilligen Selbstauskunft, besonders der privilegierteren Schichten, via Internet ist eine erschreckende Tendenz der freiwilligen Überwachung. Die europäischen Sicherheitsbehörden haben dies erkannt und wollen sog. Social Networks [= soziale Netzwerke], für vorausschauende Kriminalistik nutzen. Auch durch die Gemengelage Terrorismusbekämpfung & Klimawandel wird bei vielen Menschen der Hang zur Selbstkontrolle; Forderungen nach mehr Überwachung, Normen und Gesetzen deutlich. Im Windschatten dieser Entwicklungen ist eine präventive Strategie zur Aufstandsbekämpfungen nicht nur geduldet sondern auch erwünscht. Die Realitäten der „zwei Welten“ innerhalb und außerhalb der Mauern von Knästen ähneln sich zunehmend. Ein Anstieg der Überwachung, der Armut, des Leistungs- u. Anpassungsdrucks ist deutlich spürbar und allgegenwärtig. Die bürgerliche Strafgesellschaft richtet sich, gerade in Zeiten der weltweiten „Mehrfachkrisen“ gegen Unterschichten, illegalisierte Menschen und soziale Bewegungen. Die Zahl der sog. „Sozialen Häftlinge“ steigt von Tag zu Tag. Die europäische Sicherheitsarchitektur wird immer weiter ausgebaut. Fern ab von Öffentlichkeit schmoren Menschen in Abschiebeknästen.

Die Gefängnisgesellschaft ist Realität.

Text entnommen und gekürzt von Autonomes Knastprojekt

Weitere Infos ABC Berlin


1 Antwort auf „19. Juni – Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft“


  1. 1 Knast = Folter! 17. Juni 2010 um 22:12 Uhr

    Gerade passenderweise drüber gestolpert:

    TERROR – NEVER ALONE

    [“…It’s you and me against this world.
    You‘ve got to know that you‘re never alone. …“]

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