Archiv für Juni 2010

Comic#1 – Wo ist der Hirsch?

comic#1

Kein Mensch ist illegal!

Seit Dienstag, 22.06. befindet sich Dervis Orhan im Hungerstreik und zeltet vor dem Gebäude der Kreisverwaltung in Bad Doberan, um auf seine Situation aufmerksam zu machen.
Er lebt seit 8 Jahren in Deutschland, in der Türkei saß er bereits 11 Jahre in Haft. Dort befand er sich insgesamt schon über 1000 Tage im Hungerstreik. Wenn er abgeschoben wird, drohen ihm weitere 19 Jahre Knast in der Türkei. (mehr…)

Blaue Wesen invasieren – und einige kontrollieren…

Anlässlich eines Anti-Knast-Aktionstages veranstalteten Menschen, Plutis und Polizist_innen am 19. Juni ein Repressions-Theater bei der JVA Waldeck.

Die Plutis vom Planeten Pluto, der sich ja nicht mehr Planet im Sternensystem nennen darf, weswegen dessen Lebewesen stark von interplanetarer Repression akut bedroht sind (was ja eigentlich Quatsch ist, weil die interplanetare Repression ja nur Planeten repressionieren dürfte…), wollten wohl Fallstudien betreiben was denn Repression bedeutet, weil sie das von sich aus nicht kennen. Also stratzte kurzerhand ein Filmteam von Pluto-TV in die Rostocker Innenstadt vor einem kleinen Straßentheater am Uniplatz, das von Knästen und Polizei handelte. Die Menschen dort hielten Schilder mit seltsamen Fragen wie: „Mensch weg, Probleme weg?“ hoch. (mehr…)

Nachtrag: Manfred goes Zossen

Ein Antifabündnis aus Zossen und Umland hatte vom 12.-13.06. zu einem Camp-Wochenende geladen und ein kleiner Antirep-Mob ließ es sich nicht nehmen, der Einladung nachzukommen. So machten sich einige Menschen aus Rostock gut gelaunt auf den Weg zu neuen Abenteuern. Und die sollten sie auch bekommen.
In Zossen – einem Städtchen das den charmanten ‚Ende der Welt Flair’ versprüht – wurde die Gruppe von bereits eingetroffenen Antifaschist_Innen herzlich willkommen geheißen und nachdem die Sachen in den Zelten verstaut und die nähere Umgebung erkundet worden war, ging es auch schon zur Demo. Am Auftaktplatz angelangt, durchsuchten Manfreds Kollegen fleißig Taschen, enttarnten Hassmasken als Schals und wünschten „Viel Spaß“ bei der kommenden Veranstaltung.
Doch was nun kam war unvorhersehbar: Ein besonders eifriger Polizist hatte den Anlass genutzt, um wohl noch am Vorabend alle ihm bekannten Strafgesetzbücher zu verspeisen, auf das wenigstens ein Funken der Genialität des deutschen Rechts auf ihn überginge. So untersagte er sogleich einem Demonstrationsteilnehmer den Zugang zur Selbigen, da Stahlkappen in seinen Schuhen vermutet wurden. Das die Demoauflagen erst zwei Tage vorher bekannt gegeben wurden und nicht einmal die Demoleitung davon wusste, störte die grünen Dickhäuter nicht. Also wurden kurzerhand die Schuhe ausgezogen und auf Socken weiter gegangen. Die Stiefel durften in der Hand gehalten werden. Denn wie Jede_r weiß, sind Stahlkappen nur an den Füßen gefährlich (sonst würden sie ja auch Stahlfäustlinge heißen). Etwas verunsichert, aber keinesfalls demotiviert, preschte der aufstrebende Hilfssheriff auf den nächsten Menschen zu. Dieser verherrlichte mit seinem T-Shirt den Paragraphen 129a so dermaßen, das die Personalien aufgenommen und mit einer Anzeige gedroht werden musste, um weitere Eskalationen zu verhindern. (mehr…)

19. Juni – Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft

Der Knast,

trifft nicht nur solche, die sich als politische Aktivist_innen verstehen. Oft gibt es funktionierende Solidaritätsstrukturen die betroffene Menschen, besonders aus linken Kreisen, vor einer Inhaftierung bewahren. Dies ist auch gut so, kann aber dazu führen, dass schnell vergessen wird, welche Logik hinter diesen Gebäuden, der Symbiose aus Architektur & Autorität steht. Der Knast ist Teil eines Systems des Disziplinierens mittels Strafe auf dem sich unsere Gesellschaft aufbaut und Ausdruck der Herrschaftsverhältnisse in denen wir leben. Disziplinierung & Selbstdisziplinierung, durch Angst vor Strafe, hält uns in normierten Bahnen der Verwertung fest. Von Fabriken, Schulen, Universitäten bis zu Krankenhäusern, alle produzieren. Die einen Waren, andere Wissen, Gesundheit bzw. Krankheit. Es gibt für Fehlverhalten innerhalb der Produktion ein breite Palette an Sanktionen. Meist sind diese z.B. Mahnungen, Verweise, Streichung von Sozialleistungen, Kündigungen, Rausschmisse. Innerhalb bestimmter sozialer Schichten können diese schnell einen weiteren sozialen Abstieg bedeuten. Sie bringen damit eine Spirale in Gang, die die Kluft zwischen arm & reich, privilegiert & unprivilegiert weiter vergrößert. Ein Rückkopplungseffekt ist der Anstieg sog. Kriminalität. Das System schafft sozusagen selbst Anlässe für den weiteren Ausbau von Sicherheit & Kontrolle. Dies ist eine Art von Machtentfaltungsstrategie, welche weniger von bestimmten Personen, als vielmehr vom System hervorgerufen wird. Die Freude an der freiwilligen Selbstauskunft, besonders der privilegierteren Schichten, via Internet ist eine erschreckende Tendenz der freiwilligen Überwachung. Die europäischen Sicherheitsbehörden haben dies erkannt und wollen sog. Social Networks [= soziale Netzwerke], für vorausschauende Kriminalistik nutzen. Auch durch die Gemengelage Terrorismusbekämpfung & Klimawandel wird bei vielen Menschen der Hang zur Selbstkontrolle; Forderungen nach mehr Überwachung, Normen und Gesetzen deutlich. Im Windschatten dieser Entwicklungen ist eine präventive Strategie zur Aufstandsbekämpfungen nicht nur geduldet sondern auch erwünscht. Die Realitäten der „zwei Welten“ innerhalb und außerhalb der Mauern von Knästen ähneln sich zunehmend. Ein Anstieg der Überwachung, der Armut, des Leistungs- u. Anpassungsdrucks ist deutlich spürbar und allgegenwärtig. Die bürgerliche Strafgesellschaft richtet sich, gerade in Zeiten der weltweiten „Mehrfachkrisen“ gegen Unterschichten, illegalisierte Menschen und soziale Bewegungen. Die Zahl der sog. „Sozialen Häftlinge“ steigt von Tag zu Tag. Die europäische Sicherheitsarchitektur wird immer weiter ausgebaut. Fern ab von Öffentlichkeit schmoren Menschen in Abschiebeknästen.

Die Gefängnisgesellschaft ist Realität.

Text entnommen und gekürzt von Autonomes Knastprojekt

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