Archiv für Mai 2010

Zitat der Woche


„Ach, die üblichen Demotouristen mal wieder …“

Ein überaus charmanter Bulle bei einer Kontrolle in Bernau bei Berlin.

Auf geht’s – ab geht’s – 2 Tage wach

Der 1. Mai 2010 stand vor der Tür. Mit ihm leider auch das braune Pack, welches durch Lütten Klein marschieren wollte. Ein breites Bündnis aus Parteien, Verbänden, Vereinen und Einzelpersonen wollte dies verhindern und rief zu Blockaden auf.
Hier ein Bericht von Eindrücken und Erlebnissen aus Sicht einer kreativen und antifaschistischen Gruppe:

Schon am Freitag ging es los. Um 20 Uhr sollte eine Antifa Demo am Sonnenblumenhaus beginnen. Die Cops schienen aufgrund dessen ziemlich nervös, weshalb der Hauptbahnhof schon weit vor 17 Uhr massiv überwacht wurde. Menschen, die also irgendwie links aussahen – was auch immer die Merkmale hierfür sind – wurden angehalten, kontrolliert und zum Teil in Gewahrsam genommen. Aber nicht nur die Staatsmacht war über präsent, auch viele Nazis tummelten sich ungewohnt selbstbewusst vor und im Bahnhof. Natürlich waren auch VS und Zivilbeamte schnell zur Stelle und warnten anwesende Antifas, dass sie doch aufpassen sollten, „die Linken seien schon unterwegs“. Wann lernt ihr es endlich?!

Trotz dieser massiven Repression schon weit vor der Demo (4 Menschen waren bereits weggeknastet worden), versammelten sich pünktlich viele Menschen vor dem Sonnenblumenhaus und nachdem die Auflagen verlesen worden waren, ging es im dichten Bullenspalier auch gleich los. Die Demo war größtenteils sehr schwach und Kommunist_Innen und Anarchist_Innen torpedierten sich verbal gegenseitig. Vorbei an den Wohnorten verschiedener Nazigrößen aus Rostock wurde versucht durch Redebeiträge auch die Bürger_Innen zu erreichen.
Natürlich waren auch die Hobby- Deutschen nicht weit weg und liefen entweder ganz tapfer neben der Demo her oder hängten ihre blöden schwarz-rot-goldenen Fähnchen mit Bitburger Symbol vom Balkon. Leider kamen, bis auf einige Parolen, keine weiteren Aktionen gegen die Nazis.
Ohne große Zwischenfälle erreichte die Demo wieder ihren Anfangsort und gemeinsam ging es zurück in die Innenstadt.
Einige Nazis ließen es sich allerdings nicht nehmen den Antifaschist_Innen bis zur S-Bahn Haltestelle zu folgen, um kurz bevor der Zug eintraf, Flaschen von einer Brücke zu werfen. Die Flaschen (Polizei) – obwohl zahlreich vertreten – wussten nicht wirklich was zu tun ist und pferchten die Antifaschist_Innen lieber alle in den Zug rein.

An der Parkstraße angekommen, machte sich dann ein Trupp auf den Weg zur Ulmenwache. Schließlich saßen ja noch vier Menschen in den Zellen und “langweilten“ sich. Angekommen bei der GeSa, machte die Gruppe mit Laola-Wellen und Sprechchören auf sich aufmerksam, zwei Menschen sind zur Wache rein und wollten sich nach den vier Gefangenen erkundigen. Leider trafen sie dort nur einen sehr unfreundlichen Polizisten, der selbst die einfachsten „Anstandsregeln“ wie ‚Guten Tag‘ oder ‚Hallo‘ nicht beherrschte und nur nach den Personalausweisen fragte, die allerdings nicht ausgehändigt wurden. Zudem war er total überrascht, das es Leute gibt, die zur Polizei gehen und Fragen stellen. Wo auch immer der Beamte bislang eingesetzte wurde, er scheint nicht oft mit Menschen zu tun zu haben oder raus gelassen zu werden. Da er überhaupt nicht bereit war eine Auskunft zu geben, verließen die beiden Aktivistinnen wieder die Wache bzw. den Warteraum.
Leider kam nach kurzer Zeit eine Hundertschaft um die Ecke und stellte sich vor die Wache. Nach einigen Diskussionen mit dem Einsatzleiter machte sich die Gruppe dann tanzend wieder auf den Rückweg, ohne Personalien etc. angeben zu müssen.
Auch wenn durch den leitenden Beamten mitgeteilt wurde, dass die vier Personen bestimmt nicht vor Samstag Abend raus kommen würden, hat der kurze Besuch vor der Wache vielleicht doch ein bisschen was bewirken können. Keine 20 Minuten später waren die ersten beiden Personen wieder draußen, eine Stunde später waren alle auf freiem Fuß. (mehr…)